Arthrose und Schmerzen – warum Röntgenbild und Beschwerden nicht immer zusammenpassen

16. September 2026

JE STÄRKER DIE ARTHROSE, DESTO STÄRKER DIE SCHMERZEN?

Nicht unbedingt.


EIN RÖNTGENBILD KANN DEUTLICH ZEIGEN, WIE STARK SICH EIN GELENK VERÄNDERT HAT.


Trotzdem lässt sich daraus nicht zuverlässig ablesen, wie stark die Beschwerden eines Menschen sind. 

Manche Menschen haben eine deutlich sichtbare Arthrose und nur geringe Beschwerden. 

Bei anderen verursachen bereits vergleichsweise geringe Veränderungen starke Schmerzen.

WARUM IST DAS SO?

Arthrose betrifft nicht nur den Knorpel

Wenn von Arthrose gesprochen wird, ist häufig vom „Knorpelverschleiß“ die Rede. Das greift allerdings zu kurz.

Arthrose betrifft das gesamte Gelenk.


Im Verlauf können sich neben dem Knorpel auch der darunterliegende Knochen, die Gelenkinnenhaut und die Gelenkkapsel verändern. Auch diese Strukturen können an der Entstehung von Schmerzen beteiligt sein.


Der Gelenkknorpel selbst ist nicht schmerzempfindlich. Schmerzen entstehen daher nicht einfach dadurch, dass „Knorpel fehlt“.

Entscheidend ist vielmehr, wie die verschiedenen Strukturen des Gelenks auf die Veränderungen reagieren.

Das erklärt auch, warum zwei Menschen mit einem ähnlich aussehenden Röntgenbild ganz unterschiedliche Beschwerden haben können.


Warum starke Arthrose nicht immer starke Schmerzen bedeutet

Eine ausgeprägte Arthrose auf dem Röntgenbild kann bei einem Menschen nur wenig Beschwerden verursachen.

Das bedeutet nicht, dass die Veränderungen unwichtig sind. Es zeigt vielmehr, dass das Ausmaß der sichtbaren Gelenkveränderung und das persönliche Schmerzempfinden nicht dasselbe sind.

Schmerz ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren.

Neben den Veränderungen im Gelenk spielen unter anderem die Belastung, die Beweglichkeit und die individuelle Wahrnehmung eine Rolle.

Deshalb lässt sich aus einem Röntgenbild allein nicht ableiten, wie stark ein Mensch Schmerzen haben sollte.


Und umgekehrt: Warum können geringe Veränderungen stark schmerzen?

Auch das kommt vor.

Ein Gelenk kann im Röntgenbild nur vergleichsweise geringe arthrotische Veränderungen zeigen und trotzdem deutliche Beschwerden verursachen.

Dabei können auch Veränderungen an Strukturen eine Rolle spielen, die auf einem normalen Röntgenbild nur eingeschränkt oder gar nicht beurteilt werden können.

Das bedeutet: Ein unauffälliger oder nur leicht veränderter Röntgenbefund bedeutet nicht automatisch, dass die Beschwerden gering sein müssen.


Was zeigt ein Röntgenbild bei Arthrose?

Das Röntgenbild ist bei der Beurteilung von Arthrose ein wichtiges diagnostisches Hilfsmittel.

Es kann unter anderem

  • Veränderungen der Gelenkflächen
  • eine Verschmälerung des Gelenkspalts
  • oder knöcherne Veränderungen

sichtbar machen.


Was es nicht zeigen kann, ist die persönliche Schmerzstärke.


Deshalb sollte ein Röntgenbefund immer gemeinsam mit den Beschwerden und der klinischen Untersuchung betrachtet werden.


Was bedeutet das für die Beurteilung von Arthrose?

Bei der Beurteilung eines schmerzenden Gelenks sind mehrere Informationen wichtig:

  • Welche Beschwerden bestehen?
  • Seit wann bestehen sie und wie haben sie sich entwickelt?
  • Wann treten die Schmerzen auf – bei Belastung, in Ruhe oder nachts?
  • Wie beweglich ist das Gelenk?
  • Gibt es Schwellungen oder Bewegungseinschränkungen?
  • Welche Veränderungen sind in der Bildgebung erkennbar?


Erst aus dem Zusammenspiel dieser Informationen ergibt sich ein sinnvolles Gesamtbild.

Das ist auch der Grund, warum ein Röntgenbefund nicht isoliert betrachtet werden sollte.

Das Wichtigste zusammengefasst

Bei Arthrose lassen sich Röntgenbild und Schmerzstärke nicht gleichsetzen.

Ein Befund sollte deshalb immer im Zusammenhang mit den Beschwerden und der klinischen Untersuchung betrachtet werden.

Eine stark ausgeprägte Arthrose kann wenig Schmerzen verursachen, während geringere Veränderungen durchaus mit starken Beschwerden verbunden sein können.


Deshalb ist ein Röntgenbefund ein wichtiger Teil der Beurteilung, aber nicht das gesamte Bild.

Entscheidend ist immer das Zusammenspiel von Bildgebung, Beschwerden und klinischer Untersuchung.